Die Spiegelung kann sowohl zur Illusion, als auch zur tieferen Erkenntnis führen. Wer sich selbst im Spiegel nicht erkennt, hält den Spiegel für ein Portal / Tor in einen anderen Raum, aus dem ein seltsames Wesen herausschaut.
In jungen Monaten nach der Geburt kann das Spiegelbild nicht erkannt werden. Erst durch die Trennung von der Welt durch Bildung des Egos wird diese Fähigkeit erlangt (zunächst in dritter Person: "Petra / Peter hat Hunger...", dann erste Person: "Ich habe Hunger...").
Damit kommen dann gleichzeitig auch die ersten Probleme, die das Ego mit sich bringt ("Mein...", "Ich will...").
So wird die Umgebung des Spiegels im Extremfall zur Kultstätte des Ego, das sich im wesentlichen nicht über die Begrenztheit der eigenen Haut, Gefühls- und Gedankenwelt erstreckt, aber durch Ankopplung von "Besitz" (meine Karriere, mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine Familie, mein Leben) durchaus erweiterbar ist, dabei aber stets unersättlich bleibt. All das wird mehr oder weniger ständig bedroht durch Verlust, insbesondere den Tod (="Rückgeburt") - der unvorstellbaren, ultimativen Zerstörung des begrenzten Selbst-bildes. Die Angst vor Verlust führt meist zu Kontrolle - bei der zunehmenden Kontrollwut in der Welt stellt sich die Frage, welche unglaublichen Mega-Egos den Verlust fürchten.
Durch Synchronizität kann erlebt werden, dass sich die begrenzte Vorstellung einer Einteilung von Außen und Innen (ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie) als Illusion / Spiegel herausstellt und bedeutet praktisch die Umkehrung der in jungen Jahren realisierten, aber begrenzten Selbsterkenntnis - die bewusst gewordene illusionäre Trennung löst sich wieder auf. Die Welt bzw. sog. "Realität" wird als Spiegel erkannt, in der sich die verschiedensten Facetten von ein und der gleichen absoluten Quelle (das om-inöse Selbst, nicht das Ego) wiederfinden, mit der alles verbunden und rückgekoppelt ist.
Ein Ausflug in die wundersame Spiegelwelt:
Dieses Albumcover heißt passender Weise "Dark Side of the Moon". Der Mond steht symbolisch für den Spiegel (beim Blick hinter einen Spiegel wird auch ohne Selbsterkenntnis klar, dass es sich um einen Spiegel bzw. eine Illusion handelt). Der eine Lichtstrahl wird durch schräge Umlenkung bzw. Spiegelung aufgefächert in seine verschiedene Facetten (7 Farben), bei einem Prisma (auch bei Regentropfen) ca. im Winkel von 42° (die 42 wurde zuvor schon ausführlich in unterschiedlichen Zusammenhängen betrachtet).
In der menschlichen Symbolwelt lassen sich interessante Spiegelungen finden. Bei den Ziffern führt die 9 durch vertikale und horizontale Spiegelung zur 6 und vice versa, beide enthalten im oberen bzw. unteren Bereich das Symbol 0. Die vertikal in sich gespiegelte 3 führt horizontal gespiegelt zur 8. Die 8 ist eine in der Mitte vertikal gespiegelte 0, die 0 selbst ist horizontal und vertikal in der Mitte gespiegelt. Ausgangselemente für diese ganze Spiegelei ist die Symbolik des Mondes:
Die 8 Phasen des Mondes, eine davon nicht sichtbar: 7 + 1 wie bei der Farboktave, mit der 8 beginnt die neue Phase / Oktave. Die 1 ändert sich bei vertikaler Spiegelung nicht, horizontal gespiegelt entsteht die lateinische 2: II. Die vertikal gespiegelte und zusammengeführte 7 führt aus den Zahlen passend zur Oktavenposition direkt an das Ende des Alphabets.
Durch die Vertauschung und Neuzusammensetzung von Buchstaben (Anagramme) kann hinter der vordergründigen Informationsebene eine weitere Ebene zugänglich gemacht werden, die Erschließung ist nicht ganz einfach -
aber es gibt Hilfsmittel.
Beispiele:
Karl-Theodor zu Guttenberg
=
eleGanz ruht - doKTorbetrug
(im Übrigen ein Prachtexemplar eines Egos)
President Clinton of the USA
=
to CoPUlatA he findS interns
(Übersetzung: um zu kopulieren findet er PraktikantInnen)
Regierung
=
genug iRre
Durch Spiegelungen ist es ebenfalls möglich, hinter die Kulissen der vordergründigen Informationsebene zu schauen. Wird die gesprochene Sprache gespiegelt, also rückwärts abgespielt, ergibt sich eine solche zusätzliche Ebene:
Nachtrag vom 03.11.2011: Hier noch ein weiteres, aktuelles Beispiel.
Zurück zu den Spiegelungen bei den Symbolen aus Ziffern und Buchstaben, die in Kombination mit der Anagrammtechnik eine weitere Informationsebene erschließen könnten:
Neben den oben genannten Spiegelziffern aus der Mondsymbolik (0,3,6,8,9) sind im Alphabet ähnliche offensichtliche Spiegelsymbole wie die Buchstabenpaare W und M, aber auch p,q,d,b oder f und t und auch u und n zu finden. Das Spiegelpaar Λ (
Lambda) und V findet sich im Alphabet nicht, an Stelle des Lambda steht das A, das als Pyramide mit abgetrennter Spitze gesehen werden kann und interessanterweise
von einem gehörnten Ochsenkopf abgeleitet ist. Das kleine Lambda λ ist das Spiegelbild zu y. Da das kleine Lambda im Alphabet fehlt, könnte als Platzhalter analog zur Großschrift das a stehen. Das Z aus der gespiegelten 7 (siehe oben) hat im Alphabet zwar kein gespiegeltes Gegenstück, wird aber durch eine 90°-Drehung in beliebiger Richtung zu N und umgekehrt.
Zusammenfassend lassen sich folgende Austauschbarkeiten anwenden, um die Anagrammsystematik zu ergänzen (Groß-/ Kleinschreibung unerheblich):
180° Spiegelungen:
A = V (= y)
W = M
p = q = d = b
f = t
u = n
90° Drehung:
Z = N